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Tour de Baku



02.10.2009 01:41:48 Geschichte

Baku vor zwei Jahrhunderten

Filmtext. Übersetzung aus dem Russischen von Rahib Gojayev

1859 erhielt Baku den Status der Gouvernementstadt, seitdem begann die Stadtbevölkerung stark von Tag zu Tag zu wachsen. Die Stadtmauer von der Meeresseite wurde abgebaut, die übriggebliebenen Steinblöcke wurden zum Promenaden- und Häuserbau benutzt. Baku galt damals als die Stadt mit der kleinsten Grünfläche des russischen Reiches. Deshalb verordnete der Bürgermeister der Stadt, dass alle Schiffeigentümer, anstatt Zoll zu zahlen, Säcke mit Schwarzerde, die für die Anlage des Gouverneurgartens bestimmt waren, mitzubringen. So entstand dieser Park, in dem es mehr als 12 Tausend Bäume aus allen Teilen der Welt verschiedener Arten gab. Der Garten war von einem gusseisernen Zaun umringt, an dem man ein Schild angebracht hatte, auf dem zu lesen war: „Soldaten und Hunden ist der Eintritt verboten!" Und genau in diesem Garten begann dank des französischen Fotograf Muschon die Geschichte des aserbaidschanischen Kinos.

Rapide Entwicklung der Erdölindustrie in Baku erregte die Aufmerksamkeit des ausländischen Kapitals, das schon längst und gerne Ölfelder in verschiedenen Teilen der Welt erwarb. Nach kurzer Zeit öffneten solche bekannte Unternehmer wie die Gebrüder Nobels, Rothschilds, Rockfeller ihre Firmenniederlassungen in Baku. Erdöl förderte man in Baku seit dem Altertum. Die große Kapitalanlage in die aserbaidschanische Erdölförderindustrie ermöglichte eine industriell-technische Umwälzung in diesem Bereich. Ab den 70-er Jahren wurde manuelle Arbeit bei der Bohrung durch Dampfmaschinen ersetzt. Am 4. November 1949 bohrte man zum ersten Mal nach Öl am Kaspischen Meer und gewann das erste Öl aus dem Meeresboden. Erdöl wird heutzutage in der Welt so viel gefördert, dass im Vergleich dazu die heutige Ölgewinnung in Baku wie nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Erdöl zählt zu jenen Phänomenen, mit denen Aserbaidschan aufmerksame Ausländer bewunderte und auch heute bewundert. Der Erdölboom bedeutete der Anfang der neuen Ära und als ein guter Zauberer errichtete er prachtvolle Gebäude, dir mit dem Stadtbild harmonieren und Baku ihre Originalität und Einzigartigkeit verleihen. Nur in Baku können Sie so eine Vielzahl der verschiedenen Baukünste finden: orientalische Bauwerke, Klassizismus, Renaissance, Gotik, Jugendstil und andere. Wie die Seiten der Steinanalen erzählen diese Bauwerke uns die Geschichte dieser einzigartigen Stadt. Dank reicher Erölindustrieller, die meistens aus armen Verhältnisse kamen und keine nennenswerte Bildung besaßen, die aber elegante Geschäfts- und Privathäuser in der Stadt errichten ließen, können wir heute echte Meisterwerke der Baukunst in der aserbaidschanischen Hauptstadt bewundern.

Einer der größten und berühmtesten Erdölmagnaten Russlands war Hadschi Seynalabdin Tagiyev. Als Erdölindustrieller und Fabrikbesitzer, Fischereiindustrieller und Geschäftsmann betrieb er außerdem noch Mühlen und Frachtschiffe. Seit seiner früheren Kindheit trug er auf seinem Kopf eine Unmenge Kufen mit Lösungsmittel, so lernte er den Beruf des Maurers. Und nur im Alter von 52 Jahren erwarb er mit dem während seines ganzen Leben fleißig ersparten Geld ein Grundstück, das später den Sohn des armen Schumachers zum Millionär Tagiyev macht. Hadschi Seynalabdin hatte eine Axt, die ihm, als er noch Maurer war, immer treu diente. Er hängte sie an der inneren Seite seines Geldschrankes, um jedes Mal sich an die Wege des Schicksals erinnern zu können und niemals mit seinem verdienten Reichtum zu prahlen. Während der Feier anlässlich der Thronbesteigung von Alexander III vertrat Tagiyev in St. Petersburg die Muslime des Kaukasus. Er trug einen nationalen aserbaidschanischen Trachtenanzug und hielt in der Hand Brot und Salz. Der russische Minister, der glaubte, dass Tagiyev kein Wort Russisch versteht, stellte ihn in abschätziger Weise vor: „Ihre Majestät, das ist der Vertreter des wilden Volkes" Worauf Tagiyev mit Würde und Wertgefühl ganz gelassen antwortete: „Mein Volk ist nicht wild, vielmehr es hat eine reiche und mehrere Jahrhundert alte Kultur." Er spendete viel für wohltätige Zwecke in Baku. Hauptsächlich förderte er Bildung und Kultur. Darüber hinaus gründete er Gärtner- und Blumenzüchterschulen, als auch half er finanziell bei dem Bau der Schollarwasserleitung. Im Jahre 1892 während der Dürre und Missernte erhöhten sich die Gerste- und Weizenpreise drastisch. Eine Choleraseuche brach in der dichtbesiedelten Stadt aus. Menschen starben an Hunger und Krankheiten. Schieber verkauften inzwischen Weizen für sehr viel Geld. Tagiyev ließ vier Holzspeicher errichten und alles, was man in ihnen speicherte, unter den Waisen sowie den kranken und hungernden Menschen verteilen. Ein an strikten Traditionen festhaltendender Mensch und doch heiratete er die Tochter des erblichen Adligen Arablinksky, die 60 Jahre jünger als ihr Mann war. Ihre Ehe war glücklich. In ihr fand er nicht nur eine fürsorgliche Mutter für seine fünf Kinder, sondern auch eine treue Lebensgefährtin, die ihn immer bei seinen Wohltätigkeitsvorhaben unterstützte. Die Sowjetisierung war für sie eine persönliche Tragödie. Kurz nach dem Tod Tagiyevs konfrontierte seine Familie sie mit Mittellosigkeit und Verfolgung. Diesen Palast ließ Tagiyev für seine Frau als Geschenk erbauen. Es gibt in diesem Haus 101 Zimmer und Säle mit reichen Ornamenten. Türen wurden Zitronenbaumholz und Tapeten aus natürlichem Leder hergestellt. Bei der Herstellung des Parkettfußbodens verwandte man sechs Baumarten. Für die Dekoration des Orientsaales brauchte man acht Kilogramm Gold, davon wurden vier Kilogramm nur bei der Deckenmalerei verwandt. Originelle Kronleuchter, Fensterglas aus Venedig. Heute befindet sich hier das Staatliche Historische Museum Aserbaidschans.

Eine aserbaidschanische Volkssage besagt, dass der Mensch, der ein Haus gebaut hat, nie sterben wird. Aga Musa hatte immer Angst vor dem Tod und deshalb ließ er circa 70 Häuser, luxuriöse und prächtige Wohngebäude sowie Miethäuser errichten, die auch noch heute die Innenstadt von Baku prägen. Kein Millionär der Stadt konnte in diesem Aspekt mit ihm verglichen werden. Allerdings gaben ihm die einfachen Leute den Spitznamen „Geizig" Aga Musa Nagijev wurde in einer armen Familie geboren, sein Vater Nagi verkaufte Heu. Aga Musa lief in seiner Jugend durch alle Straßen von Baku mit Säcken auf dem Rücken, er arbeitete als Träger. Dank seines natürlichen Geschäftssinnes und dem Erdöl wurde er reich. In diesem Haus wohnte er mit seiner Familie. Kuppeldach und die fliegende Standarte waren von Teilen der Stadt damals zu sehen. Vor dem Haus befand sich ein kleines Blumenbeet.

Die Palastausstattung mit ihren reichen Flachbildwerken, Modellieren, Wand- und Deckenvergoldung zeichnete sich auch durch ihre Herrlichkeit aus. In Zimmern und Sälen wurden alle möglichen Arten des Parketts verwandt, so die Spiegel aus Italien, Möbel aus Frankreich. Nagiyev liebte seine zweite Frau sehr und verwöhnte sie sehr .

Dieser elegante Palast „Ismalija" (Das Bild rechts) wurde im Stil der venezianischen Gotik mit den aserbaidschanischen Bauelementen vom Architekten Ploschko für die Aserbaidschanische Aufklärungs- und Wohltätigkeitsgesellschaft gebaut. Bauherr war Nagiyev, der damit ein Denkmal seinem früh verstorbenen Sohn erbauen ließ. Bei der Grundsteinlegung ließ man eine Stahlschatulle mit Goldenstange ein, an der das Datum des Bauanfangs geprägt wurde.

Dieser Palast wurde im Sinne der französischen Gotik gebaut. Während seiner Europareise war Murtusa Muchtarov bezaubert von der Architektur in Venedig. Seine Frau Lisa, als sie einen wunderschönen Palast in Venedig sah, sagte: „Murtusa, was für ein Glück in so einem Palast zu leben!" Nach seiner Rückkehr in die Heimat schickte Muchtarov den Architekten Ploschko nach Italien und ließ in Baku genau so einen Palast erbauen, ohne ein einziges Wort seiner Frau darüber zu sagen. Während eines Jahres, solange gebaut wurde, hütete Muchtarov sein Geheimnis vor seiner Frau. Nach der Fertigstellung des Hauses schlug Murtuza Lisa vor, einen Stadtbummel mit Phaeton zu machen. Als sie an dem Palast vorbeifuhren, rief Lisa mit großem Erstaunen aus. „Murtuza genau so einen Palast haben wir in Italien gesehen! Ich wundere mich, wer da wohl wohnt?" Dann schlug ihr Muchtarov vor, hinzugehen und nach dem Hausherr zu fragen. Als sie beide vor der eleganten Eingangstür standen, machten die Hausdiener ihnen die Tür auf und Muchtarov sagte: „Meine Liebe, das ist dein Haus und bist seine Hausherrin!" Nach der Besetzung der 1918 ausgerufenen Demokratischen Republik Aserbaidschan durch die russischen Bolscheweki wurde in diesem wunderschönen Haus die Kommandostelle der Roten Armee untergebracht und die eigentlichen Hausherren in den Keller des Hauses verbannt. Heute ist dieser Palast, der aus Dank und Liebe entstand, ein Symbol der glücklichen Liebe, hier befindet sich das Standesamt der Hauptstadt, hier lassen sich viele Paare trauen und denken sicherlich an die schöne Zeit, die das liebende Muchtarov Paar hier verbracht hat.

Die Eröffnung des Opernhauses in Baku 1911 war ein bedeutsames Ereignis. 1910 gab eine berühmte Sängerin ein Gastspiel in Baku. Mit ihrer Schönheit und bezaubernden Stimme gelang es ihr das Bakuer Publikum in Erstaunen zu setzen. Einer der Millionärgebrüder Mailovs konnte keine Ruhe finden, da er um jeden Preis ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollte. Was er nur so machte: er schenkte ihr Gold und Juwelen, veranstaltete ihr zu Ehren Bälle und Abendessen.

Da es kein Opernhaus gab, musste die Gastsängerin ihre Konzerte im Zirkus oder im Gebäude der Börse geben. Am Ende ihrer Gastspielauftritte veranstaltete man ihr zu Ehren Festessen, während deren sie gefragt wurde, ob sie noch mal in die Stadt käme. Sie zuckte die Achseln kokett und vielbedeutend und antwortete – „Vielleicht niemals" – „Aber warum, Chanum? Hat sie jemand hier beleidigt?" – fragte Mailov, wie ein Ritter, der seine Geliebte zu verteidigen bereit wäre. „Nein. Ich bin nur nicht daran gewöhnt, im Zirkus oder Spielkasino aufzutreten. Und ich kann einiges nicht verstehen, warum es in dieser wunderschönen Stadt, wo so viele reiche und großzügige Menschen leben, kein Opernhaus gibt. " Ohne lange zu denken, sagte Mailov: „Kommen Sie bitte in unsere Stadt in einem Jahr, Chanum. Wir bauen ein Ihrer Kunst würdiges Opernhaus, und Sie werden es eröffnen." Gesagt – getan. Während nur elfmonatiger Bauzeit, bei dreischichtigen Bauarbeiten, wurde dieses imposantes Bauwerk im Modernstil (Jugendstil) vom Architekten Bajew gebaut. Die Decke des Gebäudes war mit vielen Schichten des Samtes und oben noch mit Filz bedeckt, was eine ideale Klangwirkung schuf.

Jedes während des Erdölbooms gebaute Haus hat seine eigene aufschlussreiche Geschichte, wie auch dieses prachtvolle Gebäude im Stil der französischen Renaissance. Jetzt befindet sich hier der Staatliche Erdölkonzern der Aserbaidschanischen Republik. Dieses Haus gehörte Seid Mirbabajew, den Erdöl unvermutet reich machte. Er war ein berühmter Hochzeitssänger und bekam einmal als Geschenk für seine schöne Stimme ein Grundstück auf der Halbinsel Abscheron, wo es auch Erdölvorkommen gab. Nachdem Seid Mirbabajew Millionär geworden war, kaufte er dieses Haus von einem reichen Kaufmann.

Vergangenheit und Gegenwart verflochten sich eng auf Bakuer Straßen miteinander. Großartige Bauwerke der nationalen Architektur Aserbaidschans, altes Bollwerk, Itscheri Scheher, Klöppelspitzen aus Stein des Schirvanschachpalastes, das klassische Schattenbild von Giz Galasi – Mädchenturm, der von vielen Legenden und literarischen Werken umgeben ist. Mit der Schönheit und Einzigartigkeit der Bauwerke der alten Architektur können sich moderne Bauten wie U-Bahn, neue Hochhäuser messen.

Da ist der Hauptplatz der aserbaidschanischen Hauptstadt, der „Azadliq" heißt, was aus dem Aserbaidschanischen ins Deutsche als „Freiheit" übersetzt wird. In der Mitte dieses Platzes befindet sich das Regierungsgebäude, das nach dem Projekt von dem Architekten Rudnew und Münze gebaut wurde. Es liegt im Zentrum dieses großen Platzes, der mit seiner Größe einen in Erstauen setzt und nach dem Chinaplatz der zweitgrößte Platz der Welt ist. Zusammen mit nebenliegenden Grünanlagenstreifen macht sein Territorium circa 17 Hektar aus, auf dem gleichzeitig der Rote Platz in Moskau, Palastplatz in St. Petersburg und Concorde in Paris passen könnten.

Mittelalter, XIX. und XX. Jahrhundert und Gegenwart vereinen sich, als ob sie sich zu einem harmonischen Ensemble verflechten, und dadurch der Stadt Baku ihren Reiz und besondere Anziehungskraft verliehen haben. Sie ist schön und einzigartig. Und derjenige, der nur einmal in dieser Stadt gewesen ist, wird unbedingt sagen: „Ich liebe dich Baku!"